Geschrieben von: Manfred Gerkensmeyer
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Die Finanzierung der Nachfolge

Existenzgründung im Alter - kein Einzelfall

Existenzgründung im Alter - kein Einzelfall

Wenn von Existenzgründung gesprochen wird, steht oft die Vorstellung vom jungen dynamischen Unternehmer im Raum, der kaum der Hochschule oder Ausbildung entwachsen ist. Dieses Bild stimmte so pauschal noch nie, denn der deutsche Gründer ist im Schnitt 41 Jahre alt. Und der Anteil der Generation 50plus beim Start in die Selbständigkeit wird immer größer.

Der Anteil älterer Gründer steigt

Sieht man sich den KfW-Gründungsmonitor 2014 an, wurde im vergangenen Jahr zwar knapp die Hälfte der Gründungen hierzulande von Personen unter 35 realisiert, aber immerhin ein gutes Viertel der Gründer war älter als 45 und fast jeder zehnte bereits jenseits der 55. Das Phänomen der Existenzgründung im reiferen Alter ist also keineswegs die Ausnahme.

Der demografische Wandel und die steigende Lebenserwartung werden dafür sorgen, dass die Bedeutung älterer Menschen bei der Existenzgründung in Zukunft noch zunimmt. Viele aus der Generation 50plus sind heute gesünder und leistungsfähiger als ihre Eltern. Der Ruhestand erscheint daher für manchen noch nicht erstrebenswert. Im Gegenteil: es gibt nicht wenige, die ihrem Leben noch mal eine andere Richtung geben und einen Neuanfang wagen wollen.

Nicht immer geht's ums Geld

Dabei stehen - im Gegensatz zu jüngeren Existenzgründern - materielle Motive oft nicht so sehr im Vordergrund. Eine wirtschaftliche Existenz im eigentlichen Sinne benötigen etliche Gründer der älteren Generation gar nicht mehr, denn sie ist vielfach schon vorhanden. Nach Jahrzehnten abhängiger Beschäftigung wurde oft bereits ein solides finanzielles Fundament geschaffen. Dies macht das Wagnis 'Selbständigkeit' in vielen Fällen leichter.

Der häufigste Motiv für die Gründung in der älteren Generation ist denn auch der Wunsch nach Unabhängigkeit. Die Möglichkeit, eine lange gehegte Geschäftsidee umzusetzen, sich selbst zu verwirklichen oder Erfahrungen weitergeben zu können, sind weitere wichtige nicht-materielle Beweggründe. Daneben gibt es natürlich auch viele Gründungen mit finanziellen Ursachen. Die Selbständigkeit wird auch gewählt, um das Einkommen oder die Rente aufzubessern, der Arbeitslosigkeit zu entkommen oder den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu schaffen.

Ältere Gründer bringen Erfahrung mit

In mancher Hinsicht verfügen ältere Gründer über bessere Voraussetzungen für die Existenzgründung als junge Menschen. Sie besitzen meist eine lange Berufs- und Branchenerfahrung in Verbindung mit einer guten Portion Lebensweisheit. Sie können daher viele Situationen besser einschätzen und auch schwierige Lagen eher meistern. Vielen älteren Gründern kommen im Vergleich zu jüngeren auch Führungserfahrung und eine ausgezeichnete Vernetzung zugute. Und viele bringen bereits einen ansehnlichen Kapitalstock für ihr Vorhaben mit.

Es überrascht daher nicht, dass ältere Gründer oft weniger Probleme mit der Finanzierung haben. Dies hängt auch damit zusammen, dass oft Existenzgründungen im Beratungs- und Dienstleistungsbereich gewählt werden, für die wenig Startkapital erforderlich ist. Dennoch gibt es durchaus Engpässe. Manche Bank ist bei älteren Kreditnehmern zurückhaltend bei der Kreditvergabe, wenn damit eine Selbständigkeit finanziert werden soll - insbesondere bei Gründungen aus der Arbeitslosigkeit.

Gründungsförderung - auch bei älteren Gründern möglich

Es gibt zwar keine spezifischen Förderprogramme für ältere Existenzgründer, die bestehenden Gründungsprogramme können aber selbstverständlich auch von Gründern jenseits der 50 genutzt werden. Allerdings müssen die Voraussetzungen gegeben sein und ein tragfähiges Konzept ist nötig. Wir beraten Sie gerne über die Möglichkeiten und begleiten Sie bei der Antragstellung.