Kategorie: Fördermittel Info
Geschrieben von: Manfred Gerkensmeyer
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KFW Fördermittel

KfW: Mittelstand nur vorsichtig optimistisch

KfW: Mittelstand nur vorsichtig optimistisch

Zuversichtlich, aber ohne Hochstimmung - so schätzt die KfW die aktuelle Stimmungslage im deutschen Mittelstand ein.
Der deutsche Mittelstand sieht den nächsten Monaten nur mit verhaltenem Optimismus entgegen - dies, obwohl das Geschäftsklima nach einem Stimmungstief im Herbst zum Jahresende 2014 hin immer besser geworden war. Das ergibt sich aus dem aktuellen KfW-ifo-Mittelstandsbarometer.

Stimmungsmesser - das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer

Das Mittelstandsbarometer ist eine Sonderauswertung des bekannten ifo-Geschäftsklimaindexes. In den Index fließen monatlich Beurteilungen von rund 7.000 Unternehmen zur jeweiligen Geschäftslage und den Geschäftserwartungen ein. Unter den Befragten befinden sich auch 5.600 mittelständische Firmen. Auf sie bezieht sich das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer. Die Einschätzung wird dabei jeweils als prozentualer Saldo der Gut-Bewertungen abzüglich der Schlechtbewertungen ermittelt. Ein Punktwert von 15 bedeutet also, die Gut-Bewertungen lagen 15 Prozentpunkte über den Schlecht-Bewertungen.

Licht und Schatten bei der Stimmung

Das aktuelle Geschäftsklima, das Lageeinschätzung und Erwartungen zusammenfasst, blieb im Februar mit einem Wert von 12,6 gegenüber dem Vormonat unverändert. Die Stimmung im Mittelstand ist also tendenziell positiv und gegenüber dem letzten Quartal 2014 sogar noch etwas besser geworden. Vor einem Jahr war man allerdings noch deutlich zuversichtlicher. Das Geschäftsklima lag im Februar 2014 bei 21,0. Der Stimmungs-Saldo ist also binnen Jahresfrist um 8,4-Prozentpunkte gesunken. Besser wurde das Geschäftsklima im Vergleich zum Vormonat vor allem im verarbeitenden Gewerbe. Das Bauhauptgewerbe, Groß- und Einzelhandel zeigten sich dagegen pessimistischer.

Interessante Unterschiede werden auch bei der Beurteilung der aktuellen Lage und der weiteren Entwicklung deutlich. Der Mittelstand sieht die Geschäftslage im Februar etwas schlechter als im Vormonat und deutlich zurückhaltender als vor Jahresfrist. Sie erreichte im Februar einen Saldowert von 20,8 - das ist ein Minus von 0,5 Prozentpunkten gegenüber dem Januar und von 7,5 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Bei den Erwartungen hat sich die Einschätzung dagegen gegenüber dem Januar leicht verbessert. Hier legte der Saldo um 0,6 Prozentpunkte zu, lag aber mit einem Minus von 9,2 ebenfalls deutlich unter Vorjahres-Niveau. In Westdeutschland zeigt man sich dabei insgesamt etwas pessimistischer als in den neuen Bundesländern.

Zeichen für gesunden Realismus

Die wenig euphorische Stimmung und Lagebeurteilung scheint im Kontrast zur insgesamt guten Geschäftsentwicklung im letzten Quartal 2014 zu stehen. Der Ölpreisverfall und die Euro-Abwertung hatten im Herbst wie ein Konjunkturprogramm für den Mittelstand und die Wirtschaft insgesamt gewirkt. Offensichtlich rechnet man nicht mit einer Fortsetzung dieser Entwicklung. Der Ölpreis hat sich in der Tat inzwischen etwas stabilisiert. Und trotz des begonnenen Anleihekaufprogramms der EZB gehen kleine und mittlere Unternehmen nicht von starken Impulsen für ihr Geschäft aus.

Insgesamt kommt in der aktuellen Stimmungslage des deutschen Mittelstands ein gesunder Realismus zum Ausdruck. Davon ist die KfW als Initiator und Auftraggeber des Mittelstandsbarometers überzeugt. Zwar gebe es positive wirtschaftliche Effekte durch eine starke Binnennachfrage, so die KfW. Ein Ende der Wachstumsschwäche in den europäischen Krisenländern sei aber ebenso wenig absehbar wie eine Auflösung des Ukraine-Konflikts und der Auseinandersetzung mit Russland. Von daher bleibe die Konjunktur weiter belastet. Vor diesem Hintergrund sei die zusammenfassende Einschätzung der Stimmungslage im deutschen Mittelstand - "zuversichtlich, aber ohne Hochstimmung" - nachvollziehbar.