Geschrieben von: Manfred Gerkensmeyer
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Die wichtigen Auskunfteien in Deutschland

Die wichtigen Auskunfteien in Deutschland

Die wichtigen Auskunfteien in Deutschland

Jede Kreditvergabe setzt eine fundierte Information über die Bonität des Kreditnehmers voraus. Dies gilt selbstverständlich auch, wenn es um Fördermittel geht. In langjährigen Geschäftsbeziehungen liegen in der Regel umfangreiche Daten und Erfahrungswerte in Bezug auf einen Kreditnehmer vor. Anders sieht es aus, wenn ein Kunde nicht bekannt ist - zum Beispiel weil ein Unternehmen neu gegründet, die Bankverbindung gewechselt oder erstmals ein Antrag auf Fördermittel gestellt wird. In diesem Fall werden zuverlässige Informationen benötigt, um sich ein Bild zu machen. Diese Informationen bieten Wirtschaftsauskunfteien.

Wirtschaftsauskunfteien: das Geschäftsprinzip

Eine Wirtschaftsauskunftei ist ein auf privatwirtschaftlicher Basis tätiges Unternehmen, das wirtschaftsbezogene Daten über Unternehmen und Privatpersonen an deren Geschäftspartner - u.a. auch Banken und Förderinstitute - zur Verfügung stellt. Die entsprechenden Informationen werden systematisch aus unterschiedlichen Quellen gesammelt und ausgewertet: neben allgemein zugänglichen öffentlichen Registern, Verzeichnissen und Publikationen werden auch Befragungen, Datenbanken oder Meldungen von Kooperationspartnern genutzt.

Es gibt in Deutschland mehrere bedeutende Wirtschaftsauskunfteien. Hier ist ein kurzer Überblick über die wichtigsten Anbieter.

- Schufa

Die Schufa ist die maßgebliche Auskunftei, wenn es um Angaben zu Privatpersonen geht. Sie verfügt über einen Datenbestand von fast einer halben Milliarde Einzelinformationen zu mehr als 66 Millionen natürlichen Personen in Deutschland. Seit 2006 bietet die Schufa auch bonitätsrelevante Informationen im gewerblichen Bereich an. Der Fokus liegt dabei auf Unternehmen mit Handelsregistereintrag, Freiberuflern, Selbständigen und Kleinunternehmern. Die Schufa kooperiert in diesem Geschäftsfeld mit Bürgel Wirtschaftsinformationen.

- Creditreform

Der Schwerpunkt von Creditreform liegt im Unterschied zur Schufa bei Unternehmensinformationen. Sie ist in diesem Bereich unbestrittener Marktführer. In der Firmendatenbank der Auskunftei sind rund fünf Millionen Bilanzen von einer Million in Deutschland tätigen Unternehmen erfasst. Hinzu kommen rd. 90 Millionen Zahlungsbelege. Zu Privatpersonen liefert die Creditreform ähnliche Informationen wie die Schufa, die Datenbasis ist aber geringer.

- Bürgel Wirtschaftsinformationen

Auch Bürgel konzentriert sich auf unternehmensbezogene Wirtschafts- und Bonitätsinformationen. Im Datenpool sind vier Millionen Firmendaten aus Deutschland und 30 Millionen internationale Unternehmensinformationen enthalten. Daneben werden auch Wirtschaftsauskünfte zu Privatpersonen erteilt.

- Bisnode

Bisnode ist ein internationaler Anbieter für digitale Wirtschaftsinformationen. In Deutschland hat er das Geschäft der lange am Markt aktiven Auskunfteien Hoppenstedt und Dun & Bradstead übernommen. Die nach wie vor bestehende Hoppenstedt-Firmendatenbank umfasst rund 300.000 Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Sie bietet in erster Linie Kontakt-Informationen zu Ansprechpartnern auf den obersten Führungsebenen. Daneben werden auch Geschäftsdaten und Bonitätsinformationen zur Verfügung gestellt.

Die Auskunft im Überblick

Auch wenn sich die Firmen-Auskünfte im Detail unterscheiden, sind Aufbau und Inhalt doch sehr ähnlich. Sie umfassen im Wesentlichen:

  • Kontaktdaten (Firma, Adresse, Kommunikationsmöglichkeiten, Website)
  • die Rechtsform (Handelsregistereintrag, Gründungsdatum, handelnde und haftende Personen)
  • den Unternehmensgegenstand (Tätigkeitsbeschreibung, Branchenzugehörigkeit)
  • Niederlassungen und Betriebsstätten
  • Beteiligungen und Immobilienbesitz
  • Bankverbindungen
  • wirtschaftlich relevante Kennzahlen (z.B. Umsätze, Ergebnisse, Mitarbeiterzahl, Strukturdaten aus der Bilanzanalyse usw.) - Informationen zur Finanzlage und Bonität (vorhandene Negativmerkmale, Zahlungsverhalten und Geschäftsgebaren, Bonitätsbewertung).

Bei Privatpersonen ist die Auskunft vor allem auf mögliche Negativmerkmale, das Zahlungsverhalten und Angaben zu den laufenden Zahlungsverpflichtungen fokussiert. Dabei wird ebenfalls eine zusammenfassende Bewertung der Bonität (über Scoring-Verfahren) ermittelt.

Bonitätsbewertung mit mathematisch-statistischen Verfahren

Bei Kreditvergabeentscheidungen spielt die Beurteilung der Bonität eine zentrale Rolle. Wirtschaftsauskunfteien bieten daher ihren Geschäftspartnern eine zusammenfassende Bewertung der Kreditwürdigkeit an, die über mathematisch-statistische Verfahren aus unterschiedlichen Unternehmensdaten abgeleitet wird. Ziel ist es dabei, eine möglichst trennscharfe und zuverlässige Aussage über die Kreditwürdigkeit und Kreditausfallrisiken darzustellen.

Der Bonitätsindex

Als erste Wirtschaftsauskunftei hat Creditreform zu diesem Zweck bereits 1984 den sogenannten Bonitätsindex bei Firmenauskünften eingeführt, der die vorliegenden bonitätsrelevanten Informationen entsprechend verdichtet. Er wurde und wird seitdem ständig weiterentwickelt (aktuell Creditreform Bonitätsindex 2.0). Inzwischen bieten auch die anderen großen Auskunfteien Bonitätsindizes an. Die Zielrichtung ist dabei die gleiche, die Unterschiede liegen vor allem in der Skalierung, der wissenschaftlichen Methodik und der Art und Weise der Informationsverarbeitung. Die Indexsysteme werden immer wieder überprüft und angepasst.

Beispiel: Creditreform Bonitätsindex 2.0

Beispielhaft wird hier der Creditreform-Bonitätsindex kurz vorgestellt: Er berücksichtigt mit unterschiedlichen Gewichtungen charakteristische Unternehmensmerkmale quantitativer und qualitativer Art. Die höchsten Gewichtungen besitzen dabei Krediturteile, das Zahlungsverhalten und die Bilanzbonität. Weitere der zahlreichen Merkmale betreffen u.a. die Auftragslage, die absehbare Unternehmensentwicklung und die Branchenzugehörigkeit. Aus den einzelnen Merkmalsausprägungen wird dann nach einer mathematischen Formel der Bonitätsindex ausgerechnet.

Der Index kann Werte zwischen 100 und 500 oder 600 annehmen. 100 steht dabei für die beste Bonitätsbewertung (ausgezeichnete Bonität), 600 für die schlechteste. Sie entspricht der Zahlungseinstellung bzw. Insolvenz. Bei 500 liegt bereits massiver Zahlungsverzug vor. Den ermittelten Bonitätswerten sind dabei Ausfallwahrscheinlichkeiten zugeordnet. Sie erlauben eine Aussage über die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Kreditnehmer innerhalb der nächsten zwölf Monate in die beiden schlechtesten Bonitätsklassen 500 oder 600 abrutscht und damit seine Bonität endgültig verliert. In der besten Bonitätsklasse, bei Indexwerten zwischen 100 und 155, liegt dieses Risiko zum Beispiel bei 0,13 Prozent. Zum Vergleich: bei Werten zwischen 376 und 499 beträgt das Risiko 15,29 Prozent (Stand Mitte 2013), ist also mehr als hundertmal so groß.

Einfluss auf Kredit- und Fördermittelvergabe

Der Bonitätsindex kann von Kreditgebern als Kriterium für die Kreditvergabeentscheidung herangezogen werden. Dies gilt vor allem dann, wenn sonst noch keine umfassendere Kredithistorie vorhanden ist. Dabei lassen sich die Ergebnisse aus dem Index auch in die bankeninternen Rating-Verfahren überleiten. Für den Creditreform Bonitätsindex existiert beispielsweise ein entsprechendes Überleitungsschema. Der Bonitätsindex hat noch eine weitere wichtige Funktion. Er lässt sich als Basis für die Konditionengestaltung heranziehen. Aus Kreditgebersicht ist das Ausfallrisiko nämlich ein Kostenfaktor. Je höher das Risiko und je geringer die Absicherung des Kredites, umso ungünstiger fallen die Konditionen aus.

Dies gilt auch für die meisten darlehensbasierten Fördermittel. Bei der Beantragung spielt die Hausbank fast immer eine entscheidende Rolle, sie muss das Finanzierungsvorhaben beurteilen und die Bonität bewerten. Die Bonitätseinschätzung der Hausbank ist daher für die Fördermittel-Vergabe maßgebend. Auch bei den Fördermittel-Konditionen ist die Bonität von Bedeutung. Etliche wichtige Programme sehen eine bonitätsabhängige Konditionenstaffel vor. Die Hausbank muss bei der Beantragung eine entsprechende Einstufung vornehmen.

Mit der Selbstauskunft die Verhandlungsposition stärken

Unternehmen, die eine Fördermittel-Finanzierung suchen, können mit einer Selbstauskunft gegenüber einer Auskunftei selbst dazu beitragen, ihre Firmendaten zu vervollständigen und zu aktualisieren. Komplette Daten führen tendenziell zu einem besseren Bonitätsindex als lückenhafte Informationen. Die Verhandlungsposition gegenüber der Hausbank und die Chancen auf eine erfolgreiche Fördermittel-Gewährung können so verbessert werden.